Michele Didou-Manent, Tran Ky und Herve Robert haben dieses gut recherchierte Buch “Dick oder dünn? Körperkult im Wandel der Zeit” geschrieben, in dem es darum geht, wie sich das Schönheitsbild im Laufe der Jahre geändert hatte. So gab es Zeiten, in denen es verdächtig war, hatte frau oder man nicht ein paar oder sogar mehr als nur ein paar Pfund mehr auf den Rippen, und es existierten sogar Rezepte, um eine Rivalin Fett verbrennen zu lassen, damit sie weniger begehrenswert erschien. Gleichzeitig kommt keiner auf die Idee, dass auch eine schlanke Frau schön sein könnte, ganz im Gegenteil, schlanke Frauen stehen im Verdacht, keine Kinder zur Welt bringen zu können. Stattdessen wird das Fett glorifiziert, weibliche Schönheit wird mit einem “pausbäckigen Gesicht[...] mit Doppelkinn” gleichgesetzt, einer “fetten, runden Büste, einem zylinderformigen Körper ohne sichtbare Taille oder gar hervorstehende Rippen”.
Die Phasen der bewunderten Fettleibigkeit wechseln sich jedoch auch in der Vergangenheit immer wieder ab mit Phasen der Dürre, und so gibt dieser Blick in die Vergangenheit zum einen Hoffnung, dass der gegenwärtige Schlankheitswahn nicht ewig dauern kann, zum andern regt er aber auch zum Nachdenken an, warum es keinen Weg in der Mitte gibt, der nicht von Extremen gekennzeichnet ist. Auf jeden Fall ein sehr lesenswertes Buch!