Das Thema Übergewicht ist in den Medien fast täglich präsent. Tenor dieser Berichterstattung ist meist der Kampf gegen das Übergewicht, oftmals begleitet von Hohn und Spott gegenüber den Betroffenen: Dicke gelten als gefräßig und belasten die Kassen der Gesundheitssysteme.
In ihrer Studie „Think of the Hippopotamus: Rights Consciousness in the Fat Acceptance Movement“ setzt sich die amerikanische Juristin Anna Kirkland mit dem Thema Übergewicht auseinander. Kirkland weist nach, dass sich seit längerer Zeit ein Rechtsbewusstsein gegen Benachteiligungen von Übergewichtigen ausbildet.
Die landläufige Meinung betrachtet Übergewicht als selbstverschuldet, schließlich liege der Körper innerhalb der eigenen Verantwortung. Bisher galt Dicksein daher in der Antidiskriminierungsdogmatik auch nicht als schutzwürdig.
Kirkland stellt diese bisherige Ansicht in Frage, denn Antidiskriminierung müsse ein “universeller ethischer Imperativ” sein. Personen sind also mit dem Körper zu akzeptieren, den sie haben. Die bisherige juristische Auffassung betrachtet die Juristin als zu eng angelegt.
Eine Abgrenzung von Übergewichtigen, zu Gruppen, die einen Diskriminierungsschutz genießen fällt dennoch schwer, denn ein gemeinsamer Konsens unter den Betroffenen ist kaum zu erreichen. Argumente, die bei Geschlecht, Rasse, Religion oder Behinderung greifen, sind für Dicke nicht übertragbar. So gab es beispielsweise in der Geschichte nie eine anerkannte Unterdrückung von Übergewichtigen. Im Gegenteil: Fettleibigkeit ist auch heute noch in verschiedenen Kulturen ein Schönheitsideal und war es in der Vergangenheit zum Teil auch in westlichen Kulturen.
Das Ziel, einen juristischen Schutz vor Gewichtsdiskriminierung zu erreichen ist also noch in weiter Ferne. Fast noch wichtiger ist es jedoch zu einer gesellschaftlichen Akzeptanz und einer ausgewogeneren Medienberichterstattung zu gelangen.